
Mittwoch, 3. Juni 2009
Simon Rummels Rückblick
Heute morgen wurde das große blaue Zelt abgebaut, das für die Pfingsttage Raum für viel Musik geboten hat. Ich habe zum ersten Mal an solch einem Massenereignis teilgenommen, was eine bereichernde Erfahrung war. Ich stelle fest, dass Musik für mich allgemein besser funktioniert, wenn ausschließlich die Energie, die zu ihrer Erzeugung aufgebracht wird, hörbar wird, sprich: Wenn sie weitestgehend unverstärkt ist. Große Lautstärken, die auf reinem Knöpfchendrehen beruhen, entfernen die Musik und vor allem die Musiker von mir. Die Basstrommel des keramischen Hundes konnte ich bis zu mir nach Hause hören. Eine traurige Angelegenheit. Wie interessant hingegen die Laienbläser von Tim Isfort, die in den Zelteingängen unverstärkt gespielt haben! Und wie absurd, wenn sie dann in der Mitte des Zeltes abgenommen werden und stärker aus den Bühnenlautsprechern klingen denn aus ihren Instrumenten, die ihre Position bedeuten!
Bei der Programmauswahl fällt auf, dass die Nähe zur Popmusik bewusst gesucht wird, sicher ein cleverer Schachzug, ist sie doch immer noch der gängige Hintergrund, auf dem sich für viele die sonstige Musik abbildet und machen ihre Musiker gewohnheitsmäßig auf großen Bühnen und Magazineinbänden in vielerlei Hinsicht eine gute Figur. Es gehörte zu den Stärken des Programms zu zeigen, in welch unterschiedlichem Maße popmusikalisch etabliertem Material Improvisation und Experiment hinzugefügt werden können.
Ich habe mich über viele Bands im Zelt gefreut, beispielsweise Herrn Klein und seine Guachos, die mit einfacher Musizierfreude Kompositionen zum Klingen gebracht haben, die sich auszeichnen durch Materialökonomie, Humor und Sinn für den richtigen Moment. Besonders schätze ich auch die Ehrlichkeit, mit der ein Arrangement von "Louange à l'éternité de Jésus" (1940 / 41) von Messiaen in das Set aufgenommen wurde. Demgegenüber nehmen sich die Kompositionen von Herrn Argue bei allem Können seiner Band doch etwas naiv aus. Dabei ist Brookmeyers Schatten doch nicht so groß, dass es besonderer Anstrengung bedürfte, aus ihm herauszutreten! Fraglich auch die Aufnahme der Pianistin sOo-Jung Kae in das Programm; ich sehe einen Steinway und eine Person davor, aber nur selten eine Verbindung.
Die Sessions am Morgen einigermaßen wild zu kombinieren ist eine interessante Idee, tatsächlich zeigte sich jedoch auch, dass nicht alle Musiker gleichermaßen etwas daraus machen konnten. Auf Situationen jenseits von großer Vorsicht oder hochenergetischem Durcheinander musste man manchmal lange warten. Sehr wichtig war es für mich, die Musiker in Sessions einmal aus der Nähe und losgelöst aus ihrem gewohnten Kontext zu hören. Das hilft sehr, die Dinge auf der Zeltbühne besser zu verstehen.
Leider ist hier nicht der Raum, die viele gebotene Musik ausführlich zu besprechen, wer darauf Lust hat, mag mich gerne besuchen kommen. Und wer mir dann auch noch die Frage beantworten kann, warum Frau Rokia Traoré im hautengen Outfit nachts um halb zwölf vor vollem Zelt eine funky-Version ausgerechnet von "The Man I Love" gesungen hat, der wird sogar von mir fürstlich bekocht.
Versprochen!
Simon Rummel
Bei der Programmauswahl fällt auf, dass die Nähe zur Popmusik bewusst gesucht wird, sicher ein cleverer Schachzug, ist sie doch immer noch der gängige Hintergrund, auf dem sich für viele die sonstige Musik abbildet und machen ihre Musiker gewohnheitsmäßig auf großen Bühnen und Magazineinbänden in vielerlei Hinsicht eine gute Figur. Es gehörte zu den Stärken des Programms zu zeigen, in welch unterschiedlichem Maße popmusikalisch etabliertem Material Improvisation und Experiment hinzugefügt werden können.
Ich habe mich über viele Bands im Zelt gefreut, beispielsweise Herrn Klein und seine Guachos, die mit einfacher Musizierfreude Kompositionen zum Klingen gebracht haben, die sich auszeichnen durch Materialökonomie, Humor und Sinn für den richtigen Moment. Besonders schätze ich auch die Ehrlichkeit, mit der ein Arrangement von "Louange à l'éternité de Jésus" (1940 / 41) von Messiaen in das Set aufgenommen wurde. Demgegenüber nehmen sich die Kompositionen von Herrn Argue bei allem Können seiner Band doch etwas naiv aus. Dabei ist Brookmeyers Schatten doch nicht so groß, dass es besonderer Anstrengung bedürfte, aus ihm herauszutreten! Fraglich auch die Aufnahme der Pianistin sOo-Jung Kae in das Programm; ich sehe einen Steinway und eine Person davor, aber nur selten eine Verbindung.
Die Sessions am Morgen einigermaßen wild zu kombinieren ist eine interessante Idee, tatsächlich zeigte sich jedoch auch, dass nicht alle Musiker gleichermaßen etwas daraus machen konnten. Auf Situationen jenseits von großer Vorsicht oder hochenergetischem Durcheinander musste man manchmal lange warten. Sehr wichtig war es für mich, die Musiker in Sessions einmal aus der Nähe und losgelöst aus ihrem gewohnten Kontext zu hören. Das hilft sehr, die Dinge auf der Zeltbühne besser zu verstehen.
Leider ist hier nicht der Raum, die viele gebotene Musik ausführlich zu besprechen, wer darauf Lust hat, mag mich gerne besuchen kommen. Und wer mir dann auch noch die Frage beantworten kann, warum Frau Rokia Traoré im hautengen Outfit nachts um halb zwölf vor vollem Zelt eine funky-Version ausgerechnet von "The Man I Love" gesungen hat, der wird sogar von mir fürstlich bekocht.
Versprochen!
Simon Rummel
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