Soeben endete die Podiumsdiskussion zum Thema "die Zukunft der "J"-Festivals". Eingeladen waren Michel Levasseur vom
"Festival international de musique actuelle de Victoriaville" in französisch Québec, Peter Schulze, ehemaliger künstlerischer Leiter des Jazzfest Berlin und mittlerweile vom
"jazzahead" in Bremen, sowie Adrien Chiquet vom
"météo Mulhouse Music Festival" in Frankreich.
Die Diskussion moderierte Professor Stuart Nicholson, englischer Journalist und Autor. Er eröffnete die Diskussion mit Fakten, 17 Jazzfestivals in den USA sind in letzter Zeit vom Erdboden verschwunden. Was sind mögliche Strategien, um in einer wirtschaftlich sowieso schon schweren Zeit mit Musikfestivals abseits von Pop und Mainstream zu bestehen?
Prof. Stuart Nicholson brachte die Frage ins Spiel, was Jazz genau sei, auch heutzutage. Jazzmusiker wollten sich nie als Jazzmusiker bezeichnen, und das Wort Jazz erzeugt bei Jugendlichen Assoziationen von Großeltern-Musik und Vergangenheit. Wie könnte man den Begriff Jazz in die Neuzeit holen? Alle Festivalvertreter wehrten sich generell gegen eine Labelung ihrer Musik. Warum soll und muss Musik einen Namen tragen? Musik kann alles gleichzeitig sein, wozu in Schubladen stecken? Musik lässt sich einfach leichter vermarkten, wenn sie einen Namen trägt. So wie alles leichter zugänglich ist, wenn es sofort Erinnerungen, Assoziationen und klare Vorstellung erzeugt.
Internet und damit verbunden die ganzen medialen Vermarktungsmöglichkeiten, könnten an dieser Stelle das Vakuum von Etikettierung und Schubladendenken aufbrechen. Innerhalb dieser virtuellen Welt nur mit dem Wort "Jazz" zu arbeiten würde das potenzielle Publikum nur von der Musik wegtreiben. Jazz und Improvisierte Musik ist und bleibt zu abstrakt für Pop und zu banal für klassiche Musik. Deshalb sollte man bei Aktueller Musik auch mit den aktuellen Möglichkeiten des Web 2.0 arbeiten. Natürlich aber schafft ein ordentliches Marketing Budget dem Problem Abhilfe. Ein Festival soll nicht nur gute Künstler featuren, sondern auch sich selbst.
Noch ein wichtiges Statement ist der Live Charakter von Improvisierter Musik. Für die Medien ist diese Musik teilweise deshalb uninteressant, weil sie als Download, im Fernsehen und Radio nicht das darzustellen vermag, was sie kann. Der Zauber entsteht im Moment des Konzertes, im Kontakt zum Publikum. Allgemeine Hoffnung und Überzeugung der Diskussionsteilnehmer: Die Musik wird sich durch die Magie, die sie live entfaltet, selbst retten, denn alle Downloads der Welt werden ihr diese Fähigkeit nicht nehmen können.
Eine weitere Verantwortung von Festivals, die sich der Aktuellen Musik verschrieben haben, sehen die Macher darin, Künstlern die Mögichkeit zu geben, vor großem Publikum zu spielen. Colin Stetson hat in Köln vor einiger Zeit knapp 12 Zuschauer gehabt. Hier erhielt er Standing Ovations von knapp 2500 Menschen und sagte, er wäre völlig überwältigt, wie warmherzig er auf dem moers festival aufgenommen wurde.
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